Spezialwetterbericht 06.06.2015

Gewitter über dem Jura

Der nachfolgende Bericht läuft unter der Überschrift: Wie man sich täuschen kann!

Blitze



Um ca. 20 Uhr hat sich über der Region Grenchenberg ein "Türmchen" gebildet. Da ich in dieser Region aufgewachsen bin, kannte ich diese Art des Möchtegern-Aufbaus zur Genüge: Typische Hebung im Vorfeld einer Front, die aber noch derart weit entfernt ist (Frankreich), dass die Hauptenergie fehlt. Sprich, die abendliche Luft wird zwar angefeuchtet - aber der Kick fehlt. Und so war es auch: Der untere Teil erhielt nicht mehr genug Nachschub, wurde durchsichtig, während der obere Teil es noch zu einem kleinen Amboss schaffte. Dann löste sich das Teil auf. ohne Regen, ohne Blitze.

Derweil stieg der Taupunkt hier in Lüterkofen auf 20.5° !

Weit entfernt im Westen sah man schon etwas gröbere Wolken. Es mussten die Gewittercluster von Genf sein, die da schwach sichtbar waren. Der Blick auf den Radar und das Satellitenbild ergab ein eindeuttiges Bild: Durch die Position des Hochs herrschte eine Süd-Südostströmung. Die Gewitter in den Alpen verhungerten so jeweils sehr rasch, die von Genf und dem westliech Jura drifteten nach Frankreich.

Mein persönliches Fazit: Ich konnte meine Betonsäcke getrost draussen lassen und heute Samstag weiterarbeiten im Garten. Auch der Mäher: Stehen lassen, und heute weitermähen. Das wird nix mit Gewittern.

Denkste!

Um 22 Uhr sah ich es plötzlich im Nodwesten Wetterleuchten. Und zwar recht stark. Ein Blick aufs Radar zeigte, dass sich nun fast bis in den Pruntrutter Zipfel über dem Jura weitere Gewitter gebildet hatten. Es war also eine Nord-Nordostausbreitung über dem Relief im Gange. Das Geblitze intensivierte sich. Gemäss Radar: Über dem Genfersee noch absterbende Gewitter - nordwestlich des Neuenburgersees blieben zwei kräftige Zellen. Derweil sendete MeteoSchweiz per SMS eine Sturmwarnungen für den Flugplatz Grenchen.

Um 23 Uhr verschob sich das Ganze weiter nordostwärts. Das Beobachten des Blitzspektakels war grandios. Ich wunderte mich noch, was die Sturmwarung von Meteochweiz wohl bezweckte. Ob es einfach eine "Vorsichtswarnung" auf Vorrat war..... und in dem Moment, wo ich das dachte, begann der Sturm. Von Null auf 80 ! Der Gewitterkomplex löste offenbar eine regelrechte Druckwelle aus. Der Gewitterkomplex war nun nördlich von Biel - blitzmässig leicht schwächer.

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Im Pruntrutter Zipfel ging die Show jedoch so richtig los. Es ist wie mit jedem Gewitter: Zu nahe dran, ist es weder interessant, noch imposant. Aus der Optik des schweizer Mittellandes war die Stroboskopshow excellent! Bis zu 200 Blitze pro Minute - welch ein Ding!

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Um 00:30 befand sich das Gewitter leicht abgeschwächt schon ausserhalb der Schweiz und zog auf Mülhouse zu. Zwischen Langenthal und Luzern bildeten sich neue Gewitterherde. Diese zogen gegen Aarau, verhungerten dann aber. Um 01.00 Uhr dann noch ein Versuch, kurz vor Zürich. Doch auch das würde nur ein "Versucherli". Um 3 Uhr bildete sich über dem Alpstein noch ein kleines aber giftiges Ding, danach kehrte Ruhe ein in der Schweiz.

Source Grafik: wetteronline / SwissWetter.ch

06.06.2015  /  12:30 Uhr  /  mbr

 

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