Nationalratswahlen 2003 und die Denkweise der Grünen
Partei Schweiz
Ein Kommentar von Markus A. Brotschi
Es war einer der kürzesten Mailwechsel, den ich je
pflegte. Meine erste Mail war voller Fakten und Fragen, Hinweisen und
Denkanstössen auf Grund eines Zeitungsartikels - welche dann leider mehr
oder weniger oberflächlich beantwortet wurde. Natürlich wie man es sich
gewohnt ist: ohne wirklich detaillierte Antworten zu den angesprochenen
Themen zu erhalten. Doch ich liess nicht locker: Frau Genner,
Co-Präsidentin der Grünen Partei Schweiz muss doch etwas mehr auf dem
Dampfer haben, dachte ich für mich. Weit gefehlt! Mein Nachhacken wurde
mit eisernem Schweigen beantwortet. Nun gut, es kann sein, dass Frau
Genner ja wirklich derart mit Wahlanlässen eingedeckt ist, dass sie nicht
noch um 23 Uhr abends irgend eine unbequeme Mail von mir beantworten
mochte. Das verstehe ich natürlich, zeugt aber nicht eben von der immer
propagierten Bürgernähe der Grünen. Oder gingen etwa die Argumente aus?
So weit so gut. Um was geht es?
August 2003 im Fernsehen DRS, die Grünen haben den Hitzesommer 2003
entdeckt und schlachten diesen gnadenlos für Wahlzwecke aus. "Ein
eindeutiges Zeichen für die Klimaerwärmung sei das", behaupteten
die Vertreter der Grünen vor laufender Kamera. Und sie wurden nicht mal
rot dabei. Doch die Show geht weiter: in der Solothurner
Tagblatt vom 6. September
präsentieren sich die Grünen gar als Retter der Welt: "Wir wollen
Katastrophen verhindern" lautete Die Überschrift in grossen Lettern. Da musste ich mich fragen, wie das denn nun
gemeint ist: die Grünen stellen sich fortan in kommenden Strengwintern
als lebende Lawinenverbauungen in die Berghänge? Oder decken Sie das
ganze Tessin mit Plastik ab, wenn wieder mal ein böses Genuatief
unablässig Wolken zu den Südalpen schickt und dadurch die gefürchteten
Murenabgänge ausgelöst werden. Oder muss ich mir das so vorstellen, dass
die Grünen allesamt beim nächsten Lothar kräftig nach Westen blasen,
damit die Winde nicht wieder einen so grossen Schaden anrichten?
Erwärmung? Ja, aber
Der geneigte Leser erkennt, dass ich sehr sarkastisch schreibe. Und
diejenigen, welche mich kennen, werden schmunzeln und auf den Stockzähnen
lachen. Doch das Thema ist eigentlich gar nicht zum Lachen. Und an dieser
Stelle möchte ich auch gleich klarstellen, dass ich nicht einer der
verbissenen Klimaerwärmungs-Ignoranten bin. Ganz im Gegenteil. Dass eine
Erwärmung stattfindet, das bezweifelt heute glaube ich keiner mehr. Nur
die Ursachen, darüber scheiden sich heute die Geister. Und es werden
immer mehr Stimmen laut, welche Forschungsergebnisse in Frage stellen. Und
ich wage gar zu behaupten, dass der "menschengemachte Anteil" an
der Klimaerwärmung verschwindend klein ist. Eine natürliche
Klimaerwärmung? Grauenhaft, nicht ausdenkbar! Die Grünen könnten sich
selber abschaffen...
Die Grünen entdecken die Wunderlampe - der
Hitzesommer wird's richten
Möglicherweise haben die Grünen diesen Sommer ihre internen
Wahlvorbereitungssitzungen in der Badi abgehalten. Die Sonne muss offenbar
bei einigen zu Hitzestaus geführt haben. Nur so ist es zu erklären, dass
der Hitzesommer 2003 bei der Grünen Partei fortan als eindeutiges
Zeichen für die Klimaerwärmung gilt. Es gibt nichts populistischeres und
unwissenschaftlicheres, als solche Pseudozusammenhänge für die Wahlen zu
missbrauchen. Ja klar war er heiss, der Sommer 2003 und er war trocken und
er war aussergewöhnlich. Doch der Sommer 2003 war eine Anomalie, wie sie
ungefähr alle 25 Jahre vorkommt. Oder anders gesagt: eine geografisch
begrenzte Laune der Natur. Eine Wetterlage, die sich immer wieder
regeneriert hat - genau so, wie sich vor 3 Jahren die Wetterlagen auch
immer regeneriert haben - nur waren es damals die Tiefdruckgebiete, welche
uns in Mitteleuropa einen kühlen und regnerischen Sommer bescherten.
Erinnern Sie sich?
Hintergründe legen Wissensstand offen
Kennt man die Zusammenhänge der Meteorologie auch nur ansatzweise und
befasst man sich nur rudimentär mit den kurzfristigen und langfristigen
Singularitäten, dann kann man über die Wahlslogans der Grünen nur
herzlich lachen. Dass ein Hitzesommer bei den Grünen für die
Klimaerwärmung herhalten muss zeigt höchstens, dass selbst von der
Parteispitze nachgeplappert wird, was das Zeug hält. Ein zwei Bücher zum
Thema "Einführung in die Meteorologie" oder ein Buch über die
Klimaperioden würden den Wissenstand der Grünen sicher erheblich
verbessern. Die Komplexität des Themas würde vielleicht plötzlich
klarer. Und vielleicht würde mit dem Lesen bei den Grünen auch die
uralte Erkenntnis reifen "Ich weiss, dass ich nicht weiss". Die
Zusammenhänge in der Klimaveränderung und zwischen den Vorgängen
innerhalb der Atmosphäre weisen nämlich einen derart komplexen
Zusammenhangsgrad auf, dass selbst heute nicht restlos geklärt ist, wie
sich nun die weitere Entwicklung des Klimas präsentieren wird.
Das Regelsystem - Nachhilfestunden in Trivialphysik
Selbst namhafte Institute wie das deutsche MaxPlanck Institut beschäftigen
offenbar etwas vorschnelle grüne Wissenschafter. Mojib
Latif, mit dem ich
ebenfalls Mailverkehr pflegte, ist ein Verfechter der Theorie "Mehr
Wärme, mehr Feuchtigkeit in der Luft, mehr Regen, mehr Unwetter. Offenbar
hat Herr Latif so ganz nebenbei einen ganz gewichtigen Grund unter den
Teppich gekehrt, der seine Theorie ins Wanken bringt. Die Wolken. Mehr
Feuchtigkeit bedeutet auch mehr Wolken! Diese wiederum schirmen die
Erdoberfläche vor weiterer Sonneneinstrahlung ab - sie wird nicht mehr
weiter erwärmt. Ein Regelsystem ist geboren. Ingenieurstudium, erstes
Semester. Spricht man den sonst so medienfreundliche Latif dann auf solch
einfachste Trivial-Zusammenhänge an, versiegt auch dort der Mailverkehr.
Und die Versicherungen spielen mit
Wen wundert es da, dass die Versicherungen auch gleich auf die "mehr
Unwetter-Theorie" aufspringen? Niemanden, denn diese ist die
Legitimation zu höheren Prämien und fetteren Gewinnen. Ich kenne keine
einzige Studie, welche eindeutig belegt, dass es wirklich mehr Unwetter
gibt. Das einzige, das belegt ist: die Schadenssummen nehmen zu. Doch
daraus zu schliessen, dass es mehr Unwetter geben muss, ist fatal und
unwissenschaftlich dazu. Dass jedoch Immer mehr und immer grössere Hotels
in die Alpen gepflanzt werden und erst noch direkt in die Lawinenhänge, davon
spricht niemand. Dass ganze Stadtteile in früher hochwassergefährdete
Flussebenen gebaut sind, das wissen höchstens noch die Urgrossväter. Und
nach 100 Jahren kommt es wieder - das Hochwasser. Versenkt ganze Stadteile
- und wir wundern uns?
Meinungsfreiheit
In unserem Lande herrscht Meinungsfreiheit. So darf also jeder glauben und
verkünden was er will und was er für Richtig hält. Das darf natürlich
auch die Grüne Partei. Von einer Partei, die sich das Thema Umwelt auf
die Fahne schreibt, hätte ich allerdings etwas mehr Differenziertheit und
Recherche erhofft, bevor in populistischer Weise eine meteorologische
Anomalie als Werbeträger für die Wahlen herhalten muss.
Dies meint Ihr
Markus A. Brotschi
dipl. Ingenieur HTL/STV
Selbstverständlich bin ich kein Einwegkommunikator und
publiziere hier gerne Ihre Meinung - auch wenn diese gegensätzlicher
Ansicht ist. Vielleicht erinnern sich ja sogar Frau Genner und Herr Latif
plötzlich wieder, was eine Tastatur ist :-) Ihre Mail richten
Sie an admin@swisswetter.ch
Anmerkung vom 17.10.2003: Bis jetzt haben weder
Frau Genner noch Herr Latif auf die Mails mit Hinweisen auf diesen Artikel
reagiert. Offenbar sind ihnen die Argumente wirklich vollends ausgegangen.
Herr Latif schreibt zudem offenbar neuerdings lieber Bücher, als sich
online im Internet zu betätigen. Sein neuester Coup im Bereich der
Sensations-Literatur, der demnächst erscheinen wird, bezieht sich auf die
letztjährige Flut und den diesjährigen Hitzesommer. Die Frage stellt
sich nur: was Latif in den nächsten 20 normalen Jahren machen
wird... :-)
Anmerkung 31.10.2003: Die Theorie von Latif und
manch anderen Wissenschaftlern ist aus der Luft gegriffen, da auf falschen
Grundlagen aufbauend. Die Grünen verbreiten zudem zurechtgebogene Lügen,
wenn sie behaupten, wir befänden uns in der wärmsten Periode und die
Erwärmung sei menschengemacht. Mehr
dazu hier >> (Link aus www.wetteronline.de)