|
SwissWetter.ch Fotostories
Industrieschnee
"Gemeindeeigener" Schneefall
In den letzten Tagen staunten vor allem Autofahrer über die regional sehr unterschiedlichen Strassenverhältnisse. Eine Autofahrt - bei trockenen Strassen begonnen - konnte durchaus durch ein Gebiet führen, wo einige Zentimeter frisch gefallener Schnee lag.
Dabei ist vor allem bemerkenswert, dass es meist keinen sanften Übergang von den schneelosen in die schneebedeckten Gebiete gab. Innerhalb von wenigen zehn bis hundert Metern wechselte das Landschaftsbild von grünlich-kalt auf winterlich-weiss.
Besonders betroffen davon waren am letzten Sonntag die Regionen Kriegstetten und Feldbrunnen sowie am Mittwoch wieder Kriegstetten und am Donnerstag gar auch noch Recherswil. Dabei kam es vor, dass selbst innerhalb der Dörfer grosse Unterschiede der Schneehöhe bestanden.
Juhuu, die Schneefront ist da?
Bei genauem Betrachten der Wetterlage, der Satellitenbilder und WebCams wird schnell klar, dass es sich nicht um "normalen" Schneefall einer wetterbedingten Störung handeln kann. Wir befinden uns mitten in einem Hochdruckgebiet und die Wetterkameras der Jurahöhen zeigen strahlenden Sonnenschein.
So muss das Phänomen in der Schichtung der Luft gesucht werden, wo wir es auch finden. Betrachten wir zuerst den Temperaturverlauf der Luftschicht. Normalerweise nimmt die Temperatur mit zunehmender Höhe ab. Bei solchen Wetterlagen, wie wir sie derzeit erleben, herrscht jedoch eine starke Inversion (Umkehrung) des Temperaturverlaufs. Das heisst, dass es im Mittelland bei frostigen -5 Grad weiterhin sehr winterlich ist, auf dem Weissenstein gleichzeitig Sonnenschein und +6 Grad herrschen können. Die Grenzschicht der Luft wird durch die Nebeldecke markiert, welche den Kaltluftsee im Mittelland zusätzlich wie mit einem Deckel abschirmt.
Warum nun Schneefall?
Man trifft diesen Schneefall auffällig oft und meist in der Nähe von Industrieanlagen an, welche grosse Mengen an Wasserdampf in die Atmosphäre
ausstossen. Unter physikalischen Aspekten betrachtet, strömt nun die Dampffahne - da meist wärmer als die Aussenluft - in die Höhe. Dabei gelangt sie schon nach wenigen hundert Metern an die Grenzschicht zur Inversion. Wenn alle Parameter zur Bildung von Eiskeimen gegeben sind, erfolgt nun derselbe Vorgang wie in einer ganz normalen Wolke einer Störungszone: der Wasserdampf beginnt sich zu kristallisieren. Meist fallen diese dann als kleine Eisnadeln zu Boden. Kaum jemals entwickeln sich daraus echte sechseckförmige Schneekristalle, da die Temperatur zuwenig tief ist und der Weg bis zum Boden wiederum nur sehr wenige Meter beträgt.
Der oben beschriebene Schneefall hat sogar einen offiziellen Namen: er wird Industrieschnee genannt, was jedoch überhaupt nichts mit Verunreinigung zu tun hat, sondern lediglich etwas über den Entstehungsort aussagt.
Dazugehörige Bilder:

Kriegstetten im künstlichen weissen Kleid

Zur gleichen Zeit auf den Jurahöhen auf 1000müM in der
Region Langenbruck

Deutlich zu erkennen: Die Inversionsschicht mit dem Dunstband

Die Solarbobbahn
in Langenbruck bei bestem Sonnenschein in
Betrieb. Hier die aktuelle Übertragung von
Web-Kamerabildern.
|